Heidenheimer Zeitung berichtet – VOID

Film - Neulinge sorgen für Gänsehaut

Das eigene Gesicht, die eigene schauspielerische Arbeit, das Ergebnis eigener Kreativität zum ersten mal in höchster Auflösung auf einer Kinoleinwand zu sehen – dieses Erlebnis hatten am vergangenen Sonntag im Heidenheimer Kino-Center rund zwei Dutzend Beteiligte und Gäste im privaten Kreis bei der Premiere des Kurzfilms „Void“.

     Der breiten Öffentlichkeit blieb der Psycho-Thriller nicht lange vorenthalten. Mittlerweile ist "Void" bei Youtube zu sehen - und stößt auf viel Resonanz. "Ich muss ehrlich sagen, ich hätte nicht mit so viel positivem Feedback gerechnet", sagt Regisseur, Autor und Kameramann Claudiu Mizileanu. "Innerhalb von 48 Stunden hatten wir fast 1000 Aufrufe, was erstaunlich ist wenn man bedenkt, dass der Film 20 Minuten lang geht". Alle die den Film gesehen haben, seien begeistert gewesen und verlangten eine Fortsetzung. "Wir sind mehr als glücklich", spricht der junge Filmemacher für das ganze Team.

Void“, knapp zwanzig Minuten lang, hat einige besondere Merkmale: Vor der Kamera standen ausnahmslos Anfänger ohne Schauspielerfahrung, der Film ist komplett mit Heidenheimern in Heidenheim entstanden – und er ist ziemlich gut!

Zu Beginn des düsteren Psycho-Thrillers fährt der Programmierer Jan (Jens Streicher) mit dem Bus nach Hause. Mit ihm fährt ein ziemlich durchgeknallter Junkie (Alexander Gottschalk), der Jan reichlich beunruhigt. Zu Hause gönnt er sich zum Relaxen erstmal einen Joint mit seinem Kumpel Adnan (Taygun Arslan, auch bekannt als Rapper Tay). Aber die verstörenden Ereignisse hören nicht auf. Im Gegenteil: Für Jan verwischen sich die Grenzen zwischen Realität und Wahn – und so mancher Zuschauer dürfte schon lange vor dem Abspann einen eisigen Schauer auf dem Rücken spüren.

Die Idee zu „Void“ (der Begriff steht einerseits für „Leere“, wird aber auch in Programmiersprachen verwendet) stammt von den beiden Heidenheimern Claudiu Mizileanu und Andreas Wollmann, die nebenberuflich die Firma Paradox Vision betreiben. Drehten sie zunächst vor allem Musikvideos und Imagefilme für Unternehmen, entstand bald die Idee, ein größeres Projekt zu starten.

Im Juli 2014 begannen sie zu planen, parallel fahndeten sie über das Netz nach geeigneten Akteuren. Nach und nach fand eine Darstellerriege zusammen, die vor allem eines eint: sie habe vorher noch nie vor der Kamera gestanden. Bei den viertägigen Dreharbeiten legte sich die Aufregung allem Anschein nach aber schnell: Dem fertigen Film ist kaum anzumerken, dass da Anfänger agieren. Fremdscham, wie sie bei etlichen Laienprodukten auftritt, bleibt hier jedenfalls völlig aus.

Und dass für Kamera und Licht mit Mizileanu und Wollmann zwei Profis zuständig waren, sieht man „Void“ sofort an. Die Perspektiven sind gut gewählt, Licht und Ton verdeutlichen das Unwohlsein gut, das Hauptfigur Jan mehr und mehr überkommt.

So professionell das Ergebnis aussieht – die Dreharbeiten verliefen „so low budget wie möglich“, erzählt Mizileanu. Innenaufnahmen entstanden bei ihm zu Hause, im Bekanntenkreis fand sich ein Pool für Unterwasseraufnahmen. Und dass die Aufnahmen sehr viel Spaß machen, beweisen die überaus komischen Outtakes am Ende des Kurzfilms.

Im Anschluss hätten die Spieler erzählt, sie sähen Filme jetzt mit anderen Augen, angesichts des Aufwands, der hinter einzelnen Szenen stecken kann. So musste sich  Hauptdarsteller Jens Streicher wieder und wieder in einen Pool fallen lassen – und für den nächsten Versuch gleich wieder trocken werden.

Die Hauptarbeit hatte der 26-jährige Mediendesigner Mizileanu nach dem Dreh im Oktober: aus rund 90 Gigabyte Rohdaten, die sie mit einer aufgerüsteten Spiegelreflexkamera aufgenommen hatte, schnitt er den Zwanzigminüter, der später für die einmalige Kinoaufführung am vergangenen Sonntag konvertiert wurde.

Von diesem ersten Kontakt mit der Filmwelt sind die beiden Macher komplett begeistert. "Wir haben unbedingt Lust auf weitere Projekte", sagten sie strahlend.  Der Film ist auf www.noise-online.de zu sehen.

 

Jens Eber / NOISE